Pfingsten das vergessene Fest

 

Osterhase und Weihnachtsbaum, damit können wir etwas anfangen. Auch wenn sie weder christliche Symbole sind noch etwas mit der christlichen Bedeutung des Festes zu tun haben. Sie stellen einen Bezug zu diesen Festen her.

Hat das Pfingstfest ein Symbol?

Die Symbole des Pfingstfestes sind die Friedenstaube und das Feuer. Sie stehen für den heiligen Geist, der an Pfingsten auf die Menschen nieder kam.
Sehen und hören konnte man ihm gemäß der biblischen Apostelgeschichte. Beschrieben werden Feuerzungen, die mit einem Rauschen über die Menschen kamen. Die Menschen wurden erfüllt mit dem heiligen Geist, konnten sich plötzlich in ihrer eigenen Sprache, mit Menschen anderer Völker verständigen.
Überzeugt durch die Geschehnisse konvertierten viele zum christlichen Glauben. Die ersten christlichen Gemeinschaften wurden gegründet. So gilt das Pfingstfest auch als Geburtstag der christlichen Kirche.

Was geschah wirklich?

Wer die Geschichte des Pfingstereignisses liest, wird die Stirn runzeln. Auch viele Christen haben mit den Ereignissen am Pfingsttag Schwierigkeiten.
Wir leben heute in einer rationalen Welt. Nur was wir nachvollziehen, beweisen können, überzeugt uns. So passt Gott Vater und Jesus Christus, Gottes Sohn, in eine Glaubensvorstellung.

Aber „Heiliger Geist“?

Dabei bedeutet „Geist“ nichts anderes als „Spirituell“. Denn es gibt zu vieles, was nicht erklärt werden kann, aber existiert. Viele Menschen suchen nach spiritueller, also geistiger Orientierung auf ihrem Lebensweg…..

Du kannst dir bewusst machen, dass es so etwas wie göttliche Inspiration gibt. Dass die Heiligen Schriften der verschiedenen Religionen nicht einfach nur menschgemacht sind, sondern dass darin göttliche Offenbarung steckt. Das gilt für die Veden und die Bhagavad Gita, den Pali Kanon der Buddhisten, für die Torah, für die Bibel, den Koran und viele weitere Schriften. Wenn wir in den Heiligen Schriften lesen, können wir dies mit Demut tun. Nicht umsonst sagt Patanjali, dass durch das Studium der Schriften (Swadhyaya in einer der vielen Bedeutungen) zur Verbindung mit Gott führt

Im Christentum feiert Pfingsten die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu, auf die Apostel.

In der Bibel steht: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Wind, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt“ (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 1 bis 4). Erfahrene Yoga Übende bzw. belesene Yoga Interessenten fühlen sich da gleich erinnert an das, was über Kundalini Yoga Erweckungserfahrungen geschrieben wird. Ich möchte hier nicht zu viel über die christliche Bedeutung von Pfingsten sprechen – das können die Pfarrer und Priester sicherlich besser als ich.

Mir kommt es hier darauf an, dass das Pfingsterlebnis der Jünger Jesu nicht nur den Aposteln vorbehalten war. Vielmehr kann jeder Aspirant tiefe spirituelle Erfahrungen machen. Und jede spirituelle Erfahrung ist ein Zusammenspiel aus zwei Faktoren, nämlich eigene Anstrengung und göttliche Gnade:

Eigene Anstrengung: Die Jünger haben Jahre lang Jesus gedient. Sie sind seinen Instruktionen gefolgt, haben seine Lehren in die Praxis umgesetzt, trotz ihrer menschlichen Schwächen. Obwohl sie immer wieder dem hohen Anspruch Jesu nicht gerecht geworden sind (“Seid vollkommen wie euer Vater im Himmel vollkommen ist”), haben sie sich weiter bemüht. Daher der Tipp: Sei regelmäßig in deinen spirituellen Praktiken. Lass dich durch Fehlschläge nicht entmutigen. Und es macht nichts, wenn du dir deiner menschlichen Schwächen immer mehr bewusst wirst – und vielleicht denkst, dass du selbst nicht ausreichend gut als Aspirant bist. Demut ist im Gegenteil ein gutes Zeichen.

Göttliche Gnade: Das Pfingsterlebnis, die Erfüllung durch den Heiligen Geist, kam für die Jünger Jesu dann doch recht überraschend – eine Gnade aus heiterem Himmel. Öffne dich daher ganz für die Gnade Gottes. Sie wird dich führen – und dir die Erfahrungen schenken, die du brauchst.

Interessant ist, welche Wirkung das Pfingsterlebnis auf die Jünger hatte:
Die Jünger Jesu wurden plötzlich mutig. Sie verloren Ängste und Schüchternheit. Sie gingen auf die Menschen zu. Sie waren bereit, ihr Leben für ihren Glauben zu opfern. Sie konnten Krankheiten heilen, in verschiedenen Sprachen sprechen. Du kannst dir also bewusst sein: Auch wenn du viele Schwächen haben magst – Tiefe spirituelle Erfahrung kann dir helfen, darüber hinauszuwachsen
Die Jünger Jesu hatten aber auch anschließend menschliche Schwächen. Die Apostelgeschichte geht da ganz offen damit um. Die Jünger hatten Meinungsunterschiede, es gab Streitigkeiten etc. Spirituelle Erfahrung, Herabkunft des Heiligen Geistes, heißt also nicht, dass gleich alle menschlischen Schwächen verschwinden.

Wir können sagen, es gibt zwei Arten von spirituellen Erfahrungen, die “kleinen” und die “großen” – und natürlich jede Menge Zwischen-Stadien:

An die kleinen spirituellen Erfahrungen kannst du dich immer wieder erinnern. Du kannst z.B. jetzt kurz aus dem Fenster schauen, den Himmel anschauen. Vielleicht hörst du auch Vögel. Vielleicht siehst du ein paar Wolken. Lass das ganz auf dich wirken – spüre Liebe und Verbundenheit – spüre das Göttliche im Hier und Jetzt.

Wenn du mit einem Menschen zusammen bist, spüre mit deinem Herz sein Herz – du wirst Liebe spüren, eine andere göttliche Offenbarung. Wenn du etwas hast, was du gerne hast – sei dankbar, und lass deine Freude göttliche Offenbarung werden. Und bei schwierigen Situationen nimm sie als Herausforderung Gottes. Auch für die kleinen spirituellen Erfahrungen gilt: Du kannst sie nicht erzwingen…..

Die größeren spirituellen Erfahrungen sind ganz sicher Gnadenerlebnisse. Sie transformieren und bewirken oft sehr tiefe Veränderungen. Dennoch sollten wir uns nicht auf sie verlassen, oder auf sie warten – viele kleinere spirituelle Erlebnisse hinterlassen stärkere transformierende Wirkung als eine größere – und vor allem sind sie leichter in den Alltag zu integrieren.

Vielleicht hast du auch noch ein paar Gedanken zum Pfingstfest – morgen ist ja Pfingstsonntag .

die Petra

2 Comments »

  1. Hallo Petra, schön, dass du Pfingsten auch eine tiefere Bedeutung zumisst! Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen: Pfingsten ist echt! Ich hatte vor ein paar Jahren eine Begegnung mit dem Heiligen Geist und sie hat mein Leben verändert! Gott möchte uns beschenken in einem Maße,von dem wir noch nicht einmal träumen können!
    Aber in einem Punkt würde ich dir nicht zustimmen: Eigene Anstrengungen und göttliche Gnade passen nicht unter einen Hut! Es ist die Definition von Gnade, dass sie ein Geschenk ist, für das wir keine Gegenleistung bringen können! Wir können uns durch eigene Anstrengungen Gott nicht nähern! Das einzige, was uns Gott näher bringt, ist das Werk Jesu als Geschenk anzunehmen und an ihn als Erlöser zu glauben! Das macht den Weg frei zur Liebe des himmlischen Vaters und Fülle und Reichtum, die daraus fließen! In diesem Sinne, frohe Pfingsten! 🙂

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